Handwerk

Wie das Wort schon sagt, müssen beim Handwerk einzelne Menschen mit Geschick und Erfahrung bei der Herstellung einer Sache ganz individuell Hand anlegen, es ist fast das Gegenteil industrieller Massenproduktion. So versteht sich das Handwerk selbst als wirtschaftliche und gesellschaftliche Gruppe, die im Sinne einer gewerblichen Tätigkeit Produkte auf Bestellung anfertigt. Viele Handwerksbetriebe sind heute noch (kleine) Familienbetriebe, es gibt aber auch mittlere Unternehmen, die sich der Handwerkskunst verschrieben haben. Während früher wirklich jedes Produkt von Hand gefertigt wurde, können heute einzelne definierte Arbeitsschritte durch Maschinen erledigt werden, die aber zumindest doch auch noch “von Hand” bedient beziehungsweise (interaktiv) gesteuert werden.

Der Gesetzgeber hat hier gewisse Schwierigkeiten bei der Definition des Begriffs Handwerk und macht daher keine konkreten Angaben zur Größe des Betriebes oder gar zur Umsatzhöhe. Wer plant, einen (eigenen) Handwerksbetrieb zu gründen, muss die “Handwerksordnung” (HWO) erfüllen, also jene Voraussetzungen, die das Gesetz zur Regelung des Handwerks vorschreibt. Ist dies der Fall, wird der Betrieb in die Handwerksrolle der zuständigen Handwerkskammer eingetragen.

In Betrieben, die auch ausbilden, machen die Lehrlinge ihren Abschluss mit einer Gesellenprüfung. Daran anschließend besteht für sie die Möglichkeit, ihren Meister zu machen, was sie dazu befähigt und berechtigt, auch selbst wieder einen eigenen Betrieb zu gründen und auch selbst wieder Lehrlinge auszubilden.

Zurzeit gibt es im Handwerk mehr als 130 Ausbildungsberufe. Über 30 Prozent aller “Azubis” (Auszubildende) sind in Deutschland in Handwerksberufen unterwegs. Von den Erwerbstätigen insgesamt sind immerhin 12,4 Prozent Handwerker.

Handwerk vom Mittelalter bis heute

Handwerk bedeutete schon immer eine enge Verknüpfung zwischen Tradition und technischem Fortschritt. Was früher reine Mechanik war und mit geschickter Hände Arbeit in Kombination mit logischem Denken gefertigt wurde, wird heute im Wesentlichen dem Computer beziehungsweise ausgeklügelter Software überlassen. Dennoch, und das ist auch gut so, lernen die Auszubildenden im Handwerk auch heute noch traditionelle Techniken. Dabei ist mit Freude festzustellen, dass so mancher schon vom Aussterben bedrohte Beruf zurzeit nicht nur eine Wiederbelebung erfährt, sondern sogar richtig in Konjunktur zurück kommt.

Handwerk im Mittelalter

Im 12. und 13. Jahrhundert begannen viele Städte rasant zu wachsen. Gute Handwerker waren nun immer stärker gefragt mit der Folge, dass das Handwerk insgesamt zu einer Blütezeit kam. Da all die vielen Menschen in den Städten auch versorgt werden mussten, bildeten sich neben den klassischen Handwerksberufen wie Zimmermann, Schmied oder Drechsler auch das Nahrungsmittelgewerbe heraus, indem neue Berufe wie Fleischhauer, Bäcker oder Brauer generiert wurden.

Mit der Zeit wurden immer mehr Städte reichs- oder landesherrenfrei, was bedeutete, dass diese Städte nun selbst für ihre Sicherheit verantwortlich waren. In der Folge wurden viele Metallhandwerker gebraucht, und die Konjunktur für Messerschmiede, Panzerschmiede, Bogner, Helmschmiede, Huf- und Nagelschmiede “boomte” geradezu. Da die Nachfrage nach bestimmten Produkten immer weiter anstieg, verlagerte sich die bisherige Auftragsarbeit hin zu einer ständigen Produktion der “gängigen” Waren einschließlich Lagerhaltung. Damit gewannen auch der Handel und die Märkte immer mehr an Bedeutung. Größere Märkte insbesondere in Küstennähe schlossen sich europaweit zur Hanse zusammen.

Das war auch die Zeit, als sich die Handwerker in selbstverwalteten “Zünften” organisierten, worüber die Stadtregierungen nicht immer amüsiert waren. Am Ende erwuchs aus einem Konflikt ein Kompromiss, jener nämlich, dass sich die Zünfte der jeweiligen Stadt gegenüber verpflichteten, ihren Bürgern “nur gute Ware für einen gerechten Preis” zu liefern. Dafür wurde verfügt, dass die Bürger ausschließlich bei den städtischen Handwerkern einkaufen dürfen. Vom Zunftzwang befreit waren die sogenannten “Freimeister” wie Kunstmaler oder Bildhauer. Einer der berühmtesten Freimeister war Johannes Gutenberg.

Im Schlepptau der Französischen Revolution und der beginnenden Industrialisierung verloren die Zünfte im 18. Jahrhundert ihre “Bindungskräfte” zugunsten der sich immer weiter durchsetzenden Gewerbefreiheit. Sie bedeutete, dass jeder Bürger das Recht hatte, selbst zu entscheiden, welches Handwerk er ausüben wollte. Im November 1810 wurde dann in Preußen offiziell die Gewerbefreiheit eingeführt, und 1869 wurde diese dahin gehend erweitert, dass nun jeder Bürger seinen eigenen Handwerksbetrieb gründen durfte.

Die erste deutsche Handwerksordnung fußt auf einem Gesetz, das Kaiser Wilhelm II. im August 1897 unter der Bezeichnung “betreffend die Abänderung der Gewerbeordnung” erließ. Damit übernahmen die Handwerkskammern und Innungen viele Funktionen, die früher den Zünften oblagen, zum Beispiel die Prüfung der Einhaltung eines Qualitätsstandards beim Handwerk.

Ausbildungs- und Berufwege

Normalerweise dauert die Ausbildung in den Handwerksberufen drei oder dreieinhalb Jahre. Die bestandene Gesellenprüfung ist dann der Abschluss dessen. Es besteht die Möglichkeit, bereits im Rahmen der Ausbildung bis zu neun Monate auch im Ausland zu lernen. Das erweitert auf jeden Fall den Horizont und die Sprachkenntnisse. Als Geselle kann dann jeder ganz traditionell “auf die Walz” gehen. Das geschieht entweder innerhalb von Handwerkervereinigungen, in sogenannten “Schächten”, oder eben frei.

In den üblichen Familienbetrieben gab es damals meistens einen Familienangehörigen, der die Betriebsführung früher oder später übernehmen konnte. Heute wird die Nachfolge, und das ist fast schon die Regel, von einem “Externen” übernommen, da die Familienangehörigen meistens in ganz andere Berufe gehen. Im Übrigen sind in einigen Handwerkszweigen auch deutliche Lockerungen eingetreten, indem beispielsweise der Meistertitel zur Betriebsführung nicht mehr zwingend erforderlich ist.

Seit der Novellierung der Handwerksordnung im Jahre 2004 besteht lediglich noch in 41 Handwerken die Meisterpflicht. Es ist offensichtlich erkannt worden, dass es für eine Betriebsführung in erster Linie einer Führungspersönlichkeit bedarf, die planerisch und strategisch arbeiten kann und einen Sinn für Qualitätssicherung mitbringt, um am Markt bestehen zu können. Daher wird schon seit längerer Zeit diskutiert, ob der erfolgreiche Abschluss eines Studiums und die Qualifikation zum Meister gleichrangig behandelt werden sollen.

Moderne Handwerkerberufe

Natürlich ist das elektronische Zeitalter nicht an den Handwerksberufen vorbei gegangen. Viele Arbeitsschritte, die in definierter Weise immer gleichartig ablaufen können, wurden durch computergesteuerten Prozesse automatisiert. Ein gutes Beispiel dafür ist die Brötchenformmaschine. Der Bäcker muss nun also keine Brötchen mehr per Hand formen, sondern (per Hand) eine Maschine bedienen können. Das hat selbstverständlich großen Einfluss auf die Lehrinhalte in den Berufsschulen.

Da ist es nur folgerichtig, dass sich aus alten neue Berufe entwickelt haben. Wer einst ganz traditionell einen Bau- oder Sanitärberuf wie “Rohrleger” lernte, kann sich heute zum “Gebäudeenergieberater” weiter qualifizieren. Wer früher als “Büromaschinenmechaniker” zum Beispiel Schreibmaschinen reparierte, erfuhr zunächst eine Umbenennung zum “Bürosystemelektriker”, der aber heute auch schon wieder durch den “Informationselektroniker” verdrängt wurde.