DACHDECKER

Dachdecker

Der Beruf des Dachdeckers zählt zu den ältesten Handwerksberufen; es gibt Aufzeichnungen, dass die Tätigkeit des Dachdeckers bereits im 13. Jahrhundert ausgeübt wurde. Bemerkenswert ist jedoch die Tatsache, dass sich das Berufsbild in den letzten Jahren kaum geändert hat. Veränderungen gab es lediglich bei den Werkstoffen, Materialien und Gerätschaften.

Heute unterteilt man den Beruf in zwei Fachrichtungen: Einerseits gibt es die Dach-, Wand- sowie Abdichtungstechnik, andererseits die Reetdach-Technik. Die Reetdach-Technik kommt vorwiegend in Norddeutschland zum Einsatz; die Mehrheit der Dachdecker ist in den Bereichen der Dach-, Wand- sowie Abdichtungstechnik aktiv.

Der Dachdecker befindet sich vorwiegend in luftigen Höhen und auf den Dachstühlen der Häuser. Dachdecker konstruieren Dächer auf Neubauten und verwenden dabei verschiedene Materialien wie Schiefer, Dachplatten, Ziegel, Schindel oder auch Blech. Jene Materialien dienen der Außenverkleidung. Holz und Dämmstoffe werden zur Errichtung von Unterkonstruktionen verwendet. Der Dachdecker ist auch für das Einfügen notweniger Fenster in Bedachungen verantwortlich; auch das Anbringen von Blitzableitern, Dachrinnen und Solartechnik obliegt dem Dachdecker.

Ausbildung

Laut deutscher Handwerksordnung zählt der Dachdecker zu den anerkannten Ausbildungsberufen. Die Ausbildung erfolgt im Rahmen zweier Fachrichtungen, wobei hier zwischen der Reetdach-Technik und der Dach-, Wand- sowie Abdichtungstechnik unterschieden wird. Die duale Ausbildung dauert drei Jahre; im dritten Jahr erfolgt die Spezialisierung auf eine Fachrichtung.

Wie bei allen Berufen, die der Handwerksordnung unterliegen, gibt es für die Lehre keine gesetzliche Zugangsvoraussetzung. Die Ausbildungsbetriebe entscheiden daher selbständig, welche Bewerber sie aufnehmen bzw. welche Einstellungskriterien erfüllt werden müssen. Im Regelfall werden Azubis eingestellt, die einen Hauptschulabschluss haben. Rund 68 Prozent aller Ausbildungsanfänger hatten im Jahr 2006 einen Hauptschulabschluss. Der Auszubildende erhält im ersten Jahr 539 Euro an Ausbildungsvergütung; im zweiten Jahr liegt der Betrag bei 733 Euro und im dritten Jahr bei 875 Euro.

Die Abschlussprüfung erfolgt vor der Handelskammer und beinhaltet einen praktischen sowie theoretischen Teil. Eine mündliche Zusatzprüfung ist möglich, wenn der schriftliche bzw. theoretische Teil an der Grenze zum Nichtbestehen liegt. Dabei obliegt die Entscheidung dem Prüfer.

Entlohnung

Das Gehalt richtet sich nach der Qualifikation, Berufserfahrung und auch dem Verantwortungsbereich. In den Wintermonaten werden noch immer zahlreiche Dachdecker freigestellt, da – auf Grund der wetterbedingten Situation – die konjunkturelle Lage äußerst schlecht ist. Viele Dachdecker müssen daher – bis zum Frühjahrsbeginn – oft Arbeitslosengeld I beziehen. Inklusive Weihnachts- oder Urlaubsgeld, liegt die Entlohnung zwischen monatlich 2.200 Euro und 2.600 Euro (brutto).

Voraussetzungen

Der Dachdecker muss natürlich schwindelfrei sein. Schlussendlich liegt das Hauptarbeitsgebiet auf einem Dach. Wer Höhenangst hat, sollte sich daher nicht für die Ausbildung zum Dachdecker entscheiden. Der Dachdecker muss sich aber nicht nur in luftigen Höhen aufhalten, sondern auch sein handwerkliches Geschick immer wieder unter Beweis stellen. Etwa dann, wenn er auch Holzkonstruktionen erstellen muss, um danach ein Dach zu bauen.

Die Arbeiten finden stets unter freiem Himmel statt. Da es nicht immer schönes Wetter gibt, sollte auch jener Aspekt berücksichtigt werden, wenn man mit dem Gedanken spielt, einen derartigen Beruf erlernen zu wollen. Wind, starke Sonneneinstrahlung und Regen gehören zur Normalität eines Dachdeckers.

Der Beruf ist zudem körperlich extrem anstrengend. Ein Grund, warum gerade einmal 0,5 Prozent aller Dachdecker Frauen sind. Die Materialien sind extrem schwer und unhandlich, sodass sehr wohl auch das notwendige Maß an Kraft erforderlich ist, um in diesem Beruf zu bestehen. Auch wenn Dachziegel noch relativ wenig wiegen, macht die Menge das Gewicht. Wer einmal ungeübt – an einem Tag – 4000 Ziegel in der Hand hatte, wird am Ende des Tages seine Arme nicht mehr bewegen können.

Die Bewerbung

Die Bewerbung erfolgt postalisch; der Bewerber sollte seine Bewerbungsmappe schriftlich an das Unternehmen übermitteln. Wichtig sind Lebenslauf, Bewerbungsschreiben und Zeugniskopien. Im Bewerbungsschreiben sollte der Bewerber auf seine Qualifikationen hinweisen, seinen beruflichen Werdegang dokumentieren und mitunter auch seine Motivation erwähnen, warum er im Unternehmen tätig sein möchte bzw. aus welchen Gründen ihm die Tätigkeit des Dachdecker interessiert. Die Form des Lebenslaufs sollte tabellarisch sein; im Lebenslauf sollten – unter Mitberücksichtigung der zeitlichen Angaben – berufliche sowie auch schulische Stationen – inklusive Abschlüsse – zu finden sein. Die Bewerbungsmappe kann natürlich auch persönlich vor Ort abgegeben werden.

Online-Bewerbungen sind extrem selten. Das Internet spielt bei der Berufsausübung nur eine untergeordnete Rolle. Die Unternehmen setzen vorwiegend auf persönliche Kontakte. Bleiben Fragen, bezugnehmend auf das Inserat, offen, sollte das Unternehmen telefonisch kontaktiert werden. So erhält der Bewerber einerseits einen Eindruck über die Firma, kann andererseits aber auch mit dem Anruf wahres Interesse zeigen, was sich in weiterer Folge positiv auf die Entscheidung, ob er aufgenommen wird oder nicht, auswirken kann.

Zukunft

Neueste Entwicklungen, die vorwiegend den Bereich der Wärmedämmung betreffen, sorgen immer wieder für neue Aufträge bei Dachdecker-Firmen. Da über das Dach relativ viel Wärme verloren geht, sind vermehrt Personen Kunden, die in Dachgeschosswohnungen leben.

Ein weiteres Tätigkeitsfeld, das nicht unterschätzt werden darf, ist die Installation von neuartigen Photovoltaik-Anlagen, welche der Energieerzeugung – auf Basis der Solartechnik – dienen. In den letzten Jahren stieg die Zahl der Photovoltaik-Anlagen, was vor allem auch mit staatlichen Förderungen zu tun hatte. Auch Warmwasser-Aufbereitungssysteme werden immer wieder auf Dächern installiert, sodass die gesamte Immobilie mittels Warmwasser versorgt werden kann.

Die konjunkturelle Entwicklung hat natürlich einen enormen Einfluss auf die Zahl der Beschäftigten. In den letzten Jahren hat sich jedoch das Betätigungsfeld dahingehend geändert, dass mehr Sanierungen anstelle von Neubauten durchgeführt wurden. Da es dem Baugewerbe derzeit nicht blendend geht, bemerken auch immer mehr Dachdeckerfirmen, dass die “goldenen Zeiten” abermals auf sich warten lassen.